"The Robe" ist ein internationales,
interaktives und interdisziplinäres, künstlerisches Projekt.
Es existiert in zwei Welten, in der sog. Realität und im Internet, als virtuelle
Repräsentation.
Die Essenz der Arbeit ist Kommunikation. Durch Sprache, Bilder und Materialien
wird ein
Gedankengewebe erstellt, das skulptural und virtuell verankert ist.

gewandähnlichen Gebilde von 10 Meter Höhe.
Mit der Hängekonstruktion sind es 15 Meter.



Um die Arbeit zu verwirklichen
kontaktierte ich Menschen der unterschiedlichsten Länder, sozialen
Schichten, Glaubensformen/richtungen
und Philosophien. Ich erfragte von den Angeschriebenen, den Angesprochenen
ein Kleidungsstück oder Stoffstück, das eine wichtige
Bedeutung (Erinnerungen/Erlebnisse /Assoziationen) für sie hat. Außerdem
sollte eine handschriftliche Notiz mit persönlichen Gedanken
und Ausdrucksformen beigelegt werden, dies konnten auch Zeichnungen oder
Photos mit Unterschrift sein... Die Gedankenenergie (Das
Geistige), die von den Teilnehmern durch das Symbol ihrer persönlichen
und bedeutungsvollen Kleidungsstücke und Texte gesandt wurde,
konnte dann in der Gewand-Installation-Skulptur verwoben und gebündelt
werden. Die zusammengefügten Gegenstände spiegeln einen
Querschnitt der Gefühle, Hoffnungen, Gedanken und des persönlichen
Erlebens in dem Mikrokosmos der Robe. Die Installation ist von
Innen begehbar, Besucher wurden mit den gebündelten Gedankenpräsenzen
der Teilnehmer konfrontiert. Mein Ziel ist es die Ausstellung
es haptischen Gewandes durch die Welt "wandern" zu lassen, die Ausstellungsorte
können historisch, bedeutungsvoll oder gewöhnlich sein.



Erinnerung an ein wichtiges Erlebnis in sich barg, etwas, von dem sie sich
schwer trennen konnten. Wenn sie sich entschieden, sich
zu lösen, sollten sie es mit einem positiven, hoffnungstragenden Gedanken
tun, selbst wenn die Erinnerung an das mit dem
Kleidungsstück verbundene Ereignis eher negativ gefärbt war. Die
Teilnehmer geben etwas Wichtiges, sie geben einen Teil von sich
ab. Sie sind bereit eine Form der Verbindung mit andern Menschen einzugehen,
ohne über deren Hintergründe, Lebensweisen,
praktizierte Religion, politischen Einstellungen oder Philosophien genaueres
zu wissen. Die hinzugefügten, handschriftlichen Texte,
die im Inneren des Gewandes außer Reichweite hängen, sind Ausdruck
der Gedanken, der geistigen Welt. Die Schrift, oder die
Zeichnung, mit der Hand ausgeführt, ist außer der Sprache, eine
der unmittelbarsten Ausdruckformen der Gedanken eines anderen
Menschen. Beides zusammen ergibt ein Porträt, die Spuren einer Person,
man kann sie teilweise riechen, etwas von ihr anfassen,
weiß Persöhnliches über sie, man kann nicht sagen wie der
Mensch aussieht, hat aber mehr Informationen, als beim üblichen
Photoporträt. Ich wollte aus diesen Gedanken, diesen Portraits, ein
größeres, ein internationales, gesellschaftsübergreifendes
Gedankenkonstrukt weben, dessen reale Repräsentation das haptische
Gewand, die Installation ist. Um Menschen zu finden, die
meine Intention verstehen würden, durchforstete ich hunderte von Diskussionslisten
in verschiedenen Listservern. Hierbei wählte ich
alle aus, die sich mit Philosophie, Gesellschaftsstrukturen, Religionen,
mit Spiritualität, Ökologie, den Künsten, oder mit Kleidung
im
weiteren Sinne beschäftigten (...und unzählige Andere). Ich schrieb
mich bei vielen als Teilnehmer ein, um an die e-mail Adressenliste
der Diskussionspartner zu kommen. Diese schrieb ich dann, wieder per e-mail,
alle persönlich an. Damit beschäftigte ich mich
durchgehend ein dreiviertel Jahr. Ich schrieb tausende von mails, nebst
hunderten von konventionellen Briefen und Faxen und nicht zu
vergessen den persönlichen Gesprächen mit Interessierten.Es entstanden
viele interessante Briefwechsel, viel Kommunikation, aber
auch viel Anstrengung. Aus etwa 10 % (ca 300) Zusagen erhielt ich bisher
120 Kleidungsstücke von Teilnehmern. Im Laufe meiner
Aktion begann ich mich zunehmend unwohler zu fühlen, da ich das Gefühl
hatte, zuviel von Menschen zu verlangen, ohne ihnen
momentan etwas zurückgeben zu können. Sie schickten mir sehr persöhnliche,
bedeutungsvolle Kleider und Texte, ohne Gewißheit,
daß das Projekt realisiert würde. Aus diesem Gefühl heraus
entschied ich mich, das Gewand virtuell zu erstellen. Hierbei war es mir
besonders wichtig, daß jeder Teilnehmer mit allem, was er geschickt
hatte, repräsentiert wurde. Und so wuchs die Arbeit im Internet,
wurde als erstes, lange vor der realen Installation, zu einem internationalen
Gedankenkonglomerat.
Ein wichtiger Aspekt
dieses Projektes ist der interdisziplinäre Pilotcharakter, dessen conträre
Medien sich trotz aller Unter-
schiedlichkeiten in den wichtigen Punkten ähneln. Es bleibt sich gleich,
ob ich in einem weltweiten Netzwerk Komponenten und
Aspekte eines Konzeptes zu einer künstlerischen Arbeit verwebe; mit
computervermittelter Handarbeit digitalisierte Materialien
anhefte; oder ob ich, international gesammelte, reale Materialien, in archaischer
Handarbeit, teilweise erleichtert durch eine
Nähmaschine, zu dem realen Symbol, dem anderen Pol der Gedankenskulptur,
zusammenfüge. Die Ähnlichkeit und die
Gegensätzlichkeit der benutzten Techniken hat mich sehr fasziniert
und dauerhaft künstlerisch inspiriert. Die Arbeit soll weiter
wachsen und schließendlich auch auf Wanderschaft geschickt werden,
eine Sammlung essenzieller Aspekte, der in dem Projekt
integrierten Persönlichkeiten, auf dem Weg zur globalen Nomadisierung,
besonders im Netz überall und nirgends und in den
Gedanken ebenso. Interessierte sind herzlich willkommen mich zu kontaktieren,
sei es um an dem Projekt teilzunehmen, oder
um Fragen zu stellen. Außerdem bin ich immer auf der Suche nach Ausstellungsmöglichkeiten,
im In - und Ausland, für die
Installation. Meine e-mail ist: leslie@internett.de.
Leslie Huppert