The Robe

Projektbeschreibung:

"The Robe" ist ein internationales, interaktives und interdisziplinäres, künstlerisches Projekt.
Es existiert in zwei Welten, in der sog. Realität und im Internet, als virtuelle Repräsentation.
Die Essenz der Arbeit ist Kommunikation. Durch Sprache, Bilder und Materialien wird ein
Gedankengewebe erstellt, das skulptural und virtuell verankert ist.


Die haptische Installation besteht aus einem
gewandähnlichen Gebilde von 10 Meter Höhe.
Mit der Hängekonstruktion sind es 15 Meter.

Es wird von einer hängenden, reifrockartigen
Konstruktion aus Metall gehalten.
Das Grundmaterial ist Hanfstoff, die
Innenhaut besteht aus Kleidungsstücken,
die mir von Menschen aus aller Welt
übergeben oder gesandt wurden.

Um die Arbeit zu verwirklichen kontaktierte ich Menschen der unterschiedlichsten Länder, sozialen Schichten, Glaubensformen/richtungen
und Philosophien. Ich erfragte von den Angeschriebenen, den Angesprochenen ein Kleidungsstück oder Stoffstück, das eine wichtige
Bedeutung (Erinnerungen/Erlebnisse /Assoziationen) für sie hat. Außerdem sollte eine handschriftliche Notiz mit persönlichen Gedanken
und Ausdrucksformen beigelegt werden, dies konnten auch Zeichnungen oder Photos mit Unterschrift sein... Die Gedankenenergie (Das
Geistige), die von den Teilnehmern durch das Symbol ihrer persönlichen und bedeutungsvollen Kleidungsstücke und Texte gesandt wurde,
konnte dann in der Gewand-Installation-Skulptur verwoben und gebündelt werden. Die zusammengefügten Gegenstände spiegeln einen
Querschnitt der Gefühle, Hoffnungen, Gedanken und des persönlichen Erlebens in dem Mikrokosmos der Robe. Die Installation ist von
Innen begehbar, Besucher wurden mit den gebündelten Gedankenpräsenzen der Teilnehmer konfrontiert. Mein Ziel ist es die Ausstellung
es haptischen Gewandes durch die Welt "wandern" zu lassen, die Ausstellungsorte können historisch, bedeutungsvoll oder gewöhnlich
sein.

Die Internetversion des Projektes dokumentiert
einerseits den Wachstumsprozess des realen
Gewandes, ist aber auch eine eigenständige
Arbeit, die den imateriellen Charakter der
Gedankenskulptur direkt repräsentiert, als Anker,
um die eigentliche Skulptur zu erfassen. Der
einzige Ort, an dem die Informationen zu den
aufgenähten Kleidungsstücken zu finden sind, ist
der Internetteil des Projektes, wo jeder Teilnehmer
mit dem Bild des Kleidungsstückes und seinem
Text präsentiert wird. Die Internetarbeit besteht
aus graphischen WWW Seiten, Animationen,
digital manipuliertem Photo- und Videomaterial
der Kleider und Texte, zu virtuellen Bildern
verarbeitet.
Entstehung:

Im Jahr 1995 entstanden die ersten konzeptuellen Ansätze; bis zur Realisierung wurde es Mai 1997. Das Projekt war
ursprünglich ausschließlich als reale Skulptur und Installation geplant. Um international wirksam zu werden, das heißt
weltweit Teilnehmer und Interessenten zu finden, sah ich mich mit dem Problem konfrontiert, wie ich an Adressen kommen
konnte, und vor allem, wie ich tausende von Briefmarken bezahlen sollte. An der Hochschule, an der ich zu der Zeit noch
studierte, gab es einen Internetanschluß und mehrere Kommilitonen, die sich, mit dem für mich mystischen und
beängstigenden Medium, Computer, dem Internet und Ähnlichem beschäftigten. In meinem Dilemma wagte ich den Sprung
ins Netz, zumindestens zum Surfen und zum e-mailen, das Erste um Adressen zu finden, das Zweite, um Menschen mit
Hilfe von Listservern zu kontaktieren. Dieser Punkt beschreibt den Umbruch in meiner gesamten künstlerischen Arbeit. Das
Gewand sollte eine Projektionsfläche für Hoffnungen, Gedanken und Wünsche werden. Ich wollte jedoch keine Klagemauer,
oder ein Mahnmal errichten, sondern mich interessierten positive Gedanken, die mit den Materialien und deren Erinnerungen
auf dieses zur Verfügung stehende Objekt projeziert werden sollten. Ich wollte Veränderung, einen alchemistischen Prozess
dieser Erinnerungen einleiten, zu etwas anderem, ich wollte kein statisches Verweilen und Fingererheben. Ich bin im
Modeatelier meiner Mutter aufgewachsen, sie versuchte immer Kleidung und Mensch zu einem dritten Wesen verschmelzen
zu lassen. Die Kleider, die sie herstellte, hatten immer eine Persönlichkeit, viele ihrer Kunden heben sie über Jahrzehnte auf.
Ich merkte, wie ich dadurch beeinflußt wurde; daß Kleider in meinen Gedanken einen ganz anderen Stellenwert hatten, als
nur austauschbares, lebloses Material. Kleidungsstücke als Hülle, als Avatar/Persona-Icon, als nonverbal kommunizierende
Repräsentation der Menschen, ein Sprachrohr nach außen, Verstecke, Träger von Erinnerungen, die kleinen Behausungen,
Wärmedämmung, Schutz vor Witterungseinflüßen, Symbol der Zugehörigkeit, Statussymbol, etc... Mich faszinierte, daß ein
Stück Körperlichkeit ihres Trägers an ihnen haften bleibt, winzige Zellen, Haarfetzen, Schweißpartikel und Gerüche. Wieviel
Seele des Besitzers in ihnen steckte, wurde mir durch dieses Projekt bewußt.

Ich bat Menschen mir ein Kleidungsstück zu schicken, daß für sie einen Wendepunkt in ihrem Leben symbolisierte, eine
Erinnerung an ein wichtiges Erlebnis in sich barg, etwas, von dem sie sich schwer trennen konnten. Wenn sie sich entschieden, sich
zu lösen, sollten sie es mit einem positiven, hoffnungstragenden Gedanken tun, selbst wenn die Erinnerung an das mit dem
Kleidungsstück verbundene Ereignis eher negativ gefärbt war. Die Teilnehmer geben etwas Wichtiges, sie geben einen Teil von sich
ab. Sie sind bereit eine Form der Verbindung mit andern Menschen einzugehen, ohne über deren Hintergründe, Lebensweisen,
praktizierte Religion, politischen Einstellungen oder Philosophien genaueres zu wissen. Die hinzugefügten, handschriftlichen Texte,
die im Inneren des Gewandes außer Reichweite hängen, sind Ausdruck der Gedanken, der geistigen Welt. Die Schrift, oder die
Zeichnung, mit der Hand ausgeführt, ist außer der Sprache, eine der unmittelbarsten Ausdruckformen der Gedanken eines anderen
Menschen. Beides zusammen ergibt ein Porträt, die Spuren einer Person, man kann sie teilweise riechen, etwas von ihr anfassen,
weiß Persöhnliches über sie, man kann nicht sagen wie der Mensch aussieht, hat aber mehr Informationen, als beim üblichen
Photoporträt. Ich wollte aus diesen Gedanken, diesen Portraits, ein größeres, ein internationales, gesellschaftsübergreifendes
Gedankenkonstrukt weben, dessen reale Repräsentation das haptische Gewand, die Installation ist. Um Menschen zu finden, die
meine Intention verstehen würden, durchforstete ich hunderte von Diskussionslisten in verschiedenen Listservern. Hierbei wählte ich
alle aus, die sich mit Philosophie, Gesellschaftsstrukturen, Religionen, mit Spiritualität, Ökologie, den Künsten, oder mit Kleidung im
weiteren Sinne beschäftigten (...und unzählige Andere). Ich schrieb mich bei vielen als Teilnehmer ein, um an die e-mail Adressenliste
der Diskussionspartner zu kommen. Diese schrieb ich dann, wieder per e-mail, alle persönlich an. Damit beschäftigte ich mich
durchgehend ein dreiviertel Jahr. Ich schrieb tausende von mails, nebst hunderten von konventionellen Briefen und Faxen und nicht zu
vergessen den persönlichen Gesprächen mit Interessierten.Es entstanden viele interessante Briefwechsel, viel Kommunikation, aber
auch viel Anstrengung. Aus etwa 10 % (ca 300) Zusagen erhielt ich bisher 120 Kleidungsstücke von Teilnehmern. Im Laufe meiner
Aktion begann ich mich zunehmend unwohler zu fühlen, da ich das Gefühl hatte, zuviel von Menschen zu verlangen, ohne ihnen
momentan etwas zurückgeben zu können. Sie schickten mir sehr persöhnliche, bedeutungsvolle Kleider und Texte, ohne Gewißheit,
daß das Projekt realisiert würde. Aus diesem Gefühl heraus entschied ich mich, das Gewand virtuell zu erstellen. Hierbei war es mir
besonders wichtig, daß jeder Teilnehmer mit allem, was er geschickt hatte, repräsentiert wurde. Und so wuchs die Arbeit im Internet,
wurde als erstes, lange vor der realen Installation, zu einem internationalen Gedankenkonglomerat.

Ein wichtiger Aspekt dieses Projektes ist der interdisziplinäre Pilotcharakter, dessen conträre Medien sich trotz aller Unter-
schiedlichkeiten in den wichtigen Punkten ähneln. Es bleibt sich gleich, ob ich in einem weltweiten Netzwerk Komponenten und
Aspekte eines Konzeptes zu einer künstlerischen Arbeit verwebe; mit computervermittelter Handarbeit digitalisierte Materialien
anhefte; oder ob ich, international gesammelte, reale Materialien, in archaischer Handarbeit, teilweise erleichtert durch eine
Nähmaschine, zu dem realen Symbol, dem anderen Pol der Gedankenskulptur, zusammenfüge. Die Ähnlichkeit und die
Gegensätzlichkeit der benutzten Techniken hat mich sehr fasziniert und dauerhaft künstlerisch inspiriert. Die Arbeit soll weiter
wachsen und schließendlich auch auf Wanderschaft geschickt werden, eine Sammlung essenzieller Aspekte, der in dem Projekt
integrierten Persönlichkeiten, auf dem Weg zur globalen Nomadisierung, besonders im Netz überall und nirgends und in den
Gedanken ebenso. Interessierte sind herzlich willkommen mich zu kontaktieren, sei es um an dem Projekt teilzunehmen, oder
um Fragen zu stellen. Außerdem bin ich immer auf der Suche nach Ausstellungsmöglichkeiten, im In - und Ausland, für die
Installation. Meine e-mail ist: leslie@internett.de.

Leslie Huppert

English Version
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